Was sollte man vor einer Niederlassung als Vertragsarzt bedenken?

"Wo kann ich mir eine Tätigkeit überhaupt vorstellen?" Diese Frage muss gleich zu Anfang beantwortet werden. Dabei ist zu bedenken, dass die vertragsärztliche Versorgung durch die Bedarfsplanung gesteuert wird. Von der jeweiligen Versorgungsdichte eines Gebiets hängt nämlich ab, ob dort weitere Ärzte bestimmter Fachgruppen zugelassen werden können. Weiterhin sollte man sich frühzeitig darüber im Klaren sein, ob man in eigener Zulassung, als Angestellter, gemeinschaftlich oder in einer Einzelpraxis arbeiten möchte.

Was genau beinhaltet die Bedarfsplanung?

Die Bedarfsplanung ist das Steuerungselement der vertragsärztlichen Versorgung. Die KV RLP trägt in Rheinland-Pfalz Sorge dafür, dass die Anzahl der Einwohner jedes Planungsbereichs in einem optimalen Verhältnis zur Anzahl der niedergelassenen Hausärzte, Fachärzte und Psychotherapeuten steht. Daher wird für fast jede Fachgruppe eine zahlenmäßige Obergrenze festgelegt, bis zu der Neuzulassungen an allen Orten im Planungsbereich möglich sind. Sobald die festgelegte Obergrenze erreicht ist und eine Überversorgung von rechnerisch 110 Prozent eintritt, wird der Planungsbereich für Neuzulassungen gesperrt. Aktuelle Informationen über offene und gesperrte Planungsbereiche gibt es bei der KV RLP.

Welche Möglichkeiten der Zulassung gibt es in einem gesperrten Planungsbereich?

Es gibt einige Möglichkeiten, trotz Sperre im Wunschgebiet zugelassen zu werden – etwa über den Weg der Praxisübernahme, d. h. über die Fortführung einer Praxis, deren Inhaber die vertragsärztliche Tätigkeit beenden will. Das Verfahren erfordert im Einzelnen eine Bewerbung innerhalb der gesetzlichen Frist und eine Entscheidung des zuständigen Zulassungsausschusses. Wer sich für eine Praxisübernahme entscheidet, sollte frühzeitig mit den Zu- und Niederlassungsberatern der KV RLP sprechen, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Auch die sogenannte qualitätsbezogene Sonderbedarfsfeststellung nach § 24 der Bedarfsplanungsrichtlinie kann im Ausnahmefall zur Zulassung führen, z. B. dann, wenn der Bewerber besondere Qualifikationen vorzuweisen hat. Die Zulassung als Belegarzt an einem Krankenhaus ist ebenfalls möglich. Sie ist allerdings auf die Dauer der belegärztlichen Tätigkeit begrenzt. Darüber hinaus kann zugelassen werden, wer eine Kooperation mit Kollegen der gleichen Fachrichtung eingeht und sich zur Einhaltung einer Leistungsbegrenzung verpflichtet. Die Kooperation kann dann über eine sogenannte Job-Sharing-Zulassung oder durch Anstellung erfolgen.

Was ist sinnvoller: Praxisneugründung oder Praxisübernahme?

Stehen beide Möglichkeiten zur Auswahl, sollte man besser die Übernahme einer bestehenden Praxis erwägen. Die derzeitige Angebotsvielfalt bei Vertragsarztpraxen legt einen solchen Schritt nahe – nicht zuletzt, weil bestehende Praxen bereits in der Versorgungsstruktur verwurzelt sind, was den unternehmerischen Neueinstieg sehr erleichtert.

Berufsausübungsgemeinschaft: ja oder nein?

Grundsätzlich hat eine Berufsausübungsgemeinschaft den Vorteil, dass die Aufgaben und Kosten des Praxisbetriebs untereinander aufgeteilt werden können. Die Patienten werden gemeinsam versorgt und auch die Investitionen teilt man sich.Vorteile bei der Vergütung können ebenfalls entstehen. Allerdings erfordert die Zusammenarbeit mit Partnern natürlich auch immer eine erhöhte Kompromissbereitschaft.

Wo liegen die Unterschiede zwischen einer Tätigkeit als Vertragsarzt mit eigenem Praxissitz und einer Beschäftigung als angestellter Arzt?

Als Vertragsarzt nimmt man mit allen Rechten und Pflichten an der vertragsärztlichen Versorgung teil. Der Praxissitz ist dem jeweiligen Inhaber zugeordnet. Dieser muss als selbstständiger Unternehmer auch das wirtschaftliche Risiko tragen. Als angestellter Arzt unterliegt man in erster Linie den Rechten und Pflichten seines Arbeitsvertrags. Die konkrete Ausgestaltung liegt bei den Vertragsparteien. Die Verantwortung der Unternehmensführung trägt man in der Regel nicht.

Darf man als Vertragsarzt neben der Praxistätigkeit weiteren Beschäftigungen nachgehen?

Als zugelassener Vertragsarzt kann man maximal 13 Stunden in der Woche nebenberuflich tätig sein. Wer mehr Zeit benötigt, z. B. für eine Anstellung im Krankenhaus, kann auch eine Zulassung mit einem halben Versorgungsauftrag beantragen.

Welche Mindestanforderungen für eine Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung gelten?

Grundvoraussetzung ist eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zum Facharzt. Dabei handelt es sich um eine mindestens fünfjährige abgeschlossene Facharztanerkennung. Wer sich in Rheinland-Pfalz niederlassen möchte, braucht außerdem einen Eintrag in das rheinland-pfälzische Arztregister. Alle weiteren Verfahrensschritte hängen ganz vom individuellen Anliegen des Bewerbers ab. Tipp: Frühzeitig an die KV RLP wenden, denn hier gibt es vielfältige Beratungsangebote.

Ansprechpartner

Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP)
Service-Center

Tel.: 0 61 31 / 3 26-326
Fax: 0 61 31 / 3 26-4327
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